Was seinerzeit, nicht zuletzt in Reaktion auf Zuschuss-Rivalitäten, seinen Anfang genommen gatte, gilt heute als über die Region hinaus einmalige Einrichtung.
(ty) Was 1976 wesentlich als Reaktion auf Streitigkeiten um städtische Zuschüsse begonnen hatte, ist heute eine der beständigsten sportpolitischen Institutionen in der Region: Das Sport-Gremium von Pfaffenhofen an der Ilm hat sein 50-jähriges Bestehen gefeiert. Seit einem halben Jahrhundert vertritt es die Interessen der hiesigen Sport-Klubs gegenüber Stadt, Öffentlichkeit und politischen Gremien, fördert die Zusammenarbeit untereinander und organisiert Veranstaltungen, die längst zum festen Bestandteil des Kreisstadt-Lebens gehören.
In seiner konkreten Organisationsform und angesichts seiner langen Bestehens-Dauer gilt das Sport-Gremium weit über die Region hinaus als eine einmalige Einrichtung. Viele vergleichbare Zusammenschlüsse in anderen Kommunen sind im Laufe der Jahrzehnte verschwunden oder haben an Bedeutung verloren. In Pfaffenhofen hingegen hat sich das Gremium als beständiger Ansprech-Partner für viele sportpolitische Belange und Organisator langjähriger Veranstaltungen gehalten.
Bürgermeister Thomas Herker würdigte das Sport-Gremium in seiner Festrede als "Baustein zur Lösung der Vereins-Probleme" und gratulierte zum Jubiläum. Er lobte das Engagement der Institution, die in fünf Jahrzehnten einen tiefgreifenden Wandel des gesellschaftlichen Klimas und der Vereins-Arbeit begleitet hat: "Gut, dass es euch gibt!" Wie hoch die Wertschätzung des Sport-Gremiums in der Stadt ist, zeigte sich nicht zuletzt daran, dass neben Herker auch sein Vize Peter Heinzlmair (FW) und der Dritte Bürgermeister Roland Dörfler (Grüne) an der Festveranstaltung teilnahmen.

Der Ehrenvorsitzende des Sport-Gremiums, Hellmuth Inderwies, blickte auf die Gründung der Institution zurück.
Diese Präsenz unterstrich, dass der Sport in Pfaffenhofen nicht als bloßer Nebenschauplatz des kommunalen Lebens verstanden wird, sondern als wichtiger Teil des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Aus den Reihen der Sport-Funktionäre war an der Spitze der BLSV-Kreisvorsitzende Harald Bruckmeier vertreten, zudem waren zahlreiche Vertreter der örtlichen Sportvereine gekommen. Martin Rohrmann, der aktuelle Vorsitzende des Sport-Gremiums, verstand den Festakt vor allem als Dank an all jene Menschen, die in Pfaffenhofen ehrenamtliche Verantwortung für den Sport übernommen haben und bis heute für eine gemeinsame Sache einstehen.
Rohrmann betonte, dass der Sport nicht allein von den Sichtbaren lebe: Neben den Vorsitzenden, Übungs-Leitern und Funktionären tragen auch viele im Hintergrund tätige Personen zum Gelingen des Vereins-Lebens bei – vom Kassier bis zum Platzwart, vom Jugend-Betreuer bis zum Gerätewart. Das Sport-Gremium selbst sei in den fünf Jahrzehnten seines Bestehens für den Sport und insbesondere gegenüber der Stadt stets "Ansprech-Partner, Berater, Vermittler und manchmal auch Mahner" gewesen.
Das Gremium versteht sich in der Tat nicht als reiner Lobby-Verband, sondern als konstruktiver Partner der Kommune – der dort, wo es nötig ist, auch unbequeme Fragen stellt. Eine feste Rolle nimmt das Sport-Gremium seit Jahrzehnten bei der Vorbereitung der städtischen Sportler-Ehrung ein. In sportpolitischen Fragen, insbesondere bei Zuschüssen, bei der Sanierung und beim Ausbau von Sportstätten, haben die Interessen-Vertreter ihre Stimme wiederholt erhoben und sich mit Nachdruck für die Belange der Vereine eingesetzt. Rohrmann, der selbst für die CSU im Stadtrat sitzt, der Stadtverwaltung und den Bürgermeistern ausdrücklich für ihr offenes Ohr.
Neben seiner Funktion als Sprachrohr des Sports verantwortet das Sport-Gremium zwei Veranstaltungen, die längst einen festen Platz im städtischen Terminkalender haben. Das Weinfest auf dem Hauptplatz fand im vergangenen Juli bereits zum 40. Mal statt. Noch länger besteht die Tradition der Stadt-Schützenmeisterschaft: Im April wurde sie bereits zum 45. Mal ausgetragen. Beide Events stehen exemplarisch für die Arbeit des Gremiums: Sie verbinden Sport, Vereins-Leben und Bürgerschaft, schaffen Begegnungsräume und zeigen, dass der Sport in Pfaffenhofen weit mehr ist als Wettkampf und Training.
Der Ehrenvorsitzende Hellmuth Inderwies blickte auf die Anfänge des Sport-Gremiums zurück – und machte deutlich, dass für die Gründung letztlich auch finanzielle Fragen den Anstoß gegeben hatten. Zu Beginn der 1970er Jahre waren aus der mitunter als willkürlich empfundenen Verteilung städtischer Zuschüsse an die Sport-Vereine gewisse Rivalitäten entstanden. Die Suche nach einem gerechten und nachvollziehbaren Verteilungs-System wurde zur Initialzündung für eine dauerhafte organisatorische Lösung.
1976 wandte sich der damalige Bürgermeister Anton Schranz mit einem Aufruf an sechs hiesige Vereine, sich mit dem Thema zu befassen: EC Pfaffenhofen, FSV Pfaffenhofen, MTV Pfaffenhofen, Natur-Freunde Pfaffenhofen, TC Pfaffenhofen und BC Uttenhofen. Aus den Beratungen entstand die Idee, die Interessen der Sport-Klubs dauerhaft in einem Gremium zu bündeln. Die eigentliche Initiative dazu ging auf den damaligen Vize-Bürgermeister Willihard Kolbinger zurück. Am 21. April 1976 wurde das Sport-Gremium schließlich unter Beteiligung von Vertretern aus zehn Vereinen gegründet.

In einem launigen Festvortrag sinnierte Florian Erdle unter dem Motto "Wer den Sport hat,...".
Die Leitung übernahm zunächst ein "Fünferrat" unter Sprecher Roland Quaiser, damals Vorsitzender des MTV Pfaffenhofen. Die Geschichte des Gremiums ist zugleich eine Geschichte kontinuierlicher Führung. Von 1978 bis 1991 zeichnete Franz Kaindl vom BC Uttenhofen als Sprecher beziehungsweise Vorsitzender verantwortlich. Ihm folgte von 1991 bis 2009 Hellmuth Inderwies vom FSV Pfaffenhofen, der das Gremium über fast zwei Jahrzehnte prägte. Seit 2009 steht nun Martin Rohrmann (JFG Pfaffenhofen / MTV Pfaffenhofen) an der Spitze.
Ehrenvorsitzender Inderwies bezeichnete das Sport-Gremium in seiner Rückschau als beständige Bürger-Initiative. In vielen anderen Kommunen hätten vergleichbare Organisationen nicht annähernd so lange überdauert. Umso mehr dürfe man auf das 50-jährige Jubiläum stolz sein. Sein Wunsch an die Zukunft war zugleich eine Einladung an die nächste Generation: "Dass das Sport-Gremium noch 50 Jahre weiter besteht – zum Wohl des Sports und der Bürger in Pfaffenhofen."
Für den weiteren Rahmen der Jubiläums-Veranstaltung sorgte ein Vortrag, der sie um eine Portion Humor bereicherte. Unter dem Motto "Wer den Sport hat,…" würdigte Florian Erdle, Rechtsdirektor und berufsmäßiger Stadtrat von Pfaffenhofen sowie freiberuflicher Kabarettist, Leibesübungen im Allgemeinen und das Sport-Gremium im Besonderen – wie er selbst betonte, "aus unberufenem Munde". Er spannte den Bogen von seiner eigenen Sport-Biografie, die er als "Musterbeispiel einer Contradictio in adiecto" charakterisierte, bis hin zum mutmaßlich bis heute beleidigten Schäferhunde-Verein, dem die Aufnahme ins Sport-Gremium einst verwehrt geblieben war.
In Anspielung auf Franz Kaindls politischen Ausspruch "Der Sportler ist ein unzuverlässiger Wähler" sinnierte Erdle darüber, ob ein Politiker wenigstens zum zuverlässigen Sportler werden könne. Auch ein anwesender Stadtrat blieb nicht verschont: Den ÖDP-Politiker und Kultur-Referenten Reinhard Haiplik motivierte Erdle kurzerhand zum Seilhüpfen. Mit Blick auf die offenbar schwierige Nachfolger-Suche für Hellmuth Inderwies im Jahre 2009 fragte Erdle zu Recht: "Wer tut sich das freiwillig an?" Sein Resümee fiel zugleich als Lob aus und brachte die Stimmung des Abends auf den Punkt: "Das Sport-Gremium ist kein zahnloser Papiertiger, sondern eher die Macht im Hintergrund!"





